Abmahnwelle in der Streaminghölle. 1 Mio User machen mich reich.

Leidenschaftlich wird in der Presse gerade über die losgetretene Abmahnwelle der Kanzlei „Urmann und Collegen aus Regensburg“ diskutiert. Dabei geht es um gestreamte Pornoinhalte. Aber ist das denn dass wirkliche Problem?

Facepalm wegen AbmahnwelleWenn ich die Artikel auf den Seiten der Presse wie Spiegel, Stern und auch der Blogs wie z.B. Golem lese, bin ich erschüttert, wie wenig eigenes Gedankengut in die Beiträge mit einfliesst. Diese Abmahnwelle, wie sie zur Zeit von der Kanzlei „Urmann und Kollegen“ praktiziert wird, ist #Neuland für das Netz und gefährdet, meiner Meinung nach, alle Streamingdienste weltweit.

An dieser Stelle kann ich auch unsere Richter nicht verstehen, die den Zugriff auf IP Adressen, egal ob von der Kadavergehorsamen Telekom oder nicht, gestatten. Eigentlich müssten die sich, bei einem gestellten Antrag auf Herausgabe der Anschlüsse beim zwischenspeichern von Cachedateien, halb totlachen und den Antragsteller fragen, ob er noch alle Murmeln am Baum hat. Doch das Gegenteil ist der Fall. Mit staubtrockener Gelassenheit wird nicht die Unschuldsvermutung angewandt, sondern einer übereifrigen Kanzlei eine äußerst lukrative Einnahmequelle ermöglicht. Zu Lasten der Endverbraucher und nicht der Betreiber. Also ganz wie es sich gehört, – wenn man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht.

Dazu möchte ich mal folgendes Gedankenspiel implementieren. JoCognito ist ein äußerst erfolgreicher YouTuber oder auch Social Media Experte. Er verbreitet eigene Inhalte in Form von Bild/Ton und auch Text. Jedes Mal wenn ein User, oder auch liebevoll Konsument genannt, einen seiner geistigen Ergüsse im Netz aufruft, wird die Produktion auf dem Rechner des Users gecached. Also temporär gespeichert. Klar soweit?


Das ist toll! Denn JoCognito verdient leider nicht soviel Geld mit seinen Social Media Aktivitäten, wie es von seiner Frau abendlich erwartet wird. Aber er ist ja der Urheber seiner Beiträge. So reift in ihm eine teuflische Idee! Er tritt in Kontakt mit der Kanzlei Urmann und Kollegen. Nachdem er seine Situation der Kanzlei geschildert hat und die Zugriffszahlen seiner Beiträge offenlegt, bekommt er ein Angebot das er nicht ablehnen kann. Das lautet wie folgt:
1 Millionen User greifen im Monat auf seine Beiträge zu und begehen damit einen potentiellen Verstoß gegen das Urheberrecht. Jeder dieser User wird mit 250€ – ach seien wir nicht geizig – 300€ abgemahnt. Bei mehrfachen Verstössen sogar mit 1000€. Das macht dann in der Summe mindestens 300 Millionen Euro. Nach dem Abzug der vereinbarten Provision mit Urmann und Collegen von 30%, bleiben schlappe 210 Millionen Euro übrig. Brutto selbstverständlich. An dieser Stelle einen warmen Gruß an das Finanzamt.

Nachtrag

Kaum hatte ich das Veröffentlicht, gab es auf WBS wenig später diesen Artikel über Betrug im Zusammenhang mit Abmahnungen. Aus der Kanzlei sind Dokumente geleakt die genau mein Gedankenspiel hier wiedergeben.
Homor ist wenn man trotzdem lacht. :/

Ist das jetzt Science Fiction? So wie es gerade aussieht, ist es das nicht. Sonst wäre diese fragwürdige Methode der Geldbeschaffung ja erstmal geprüft worden, bevor sie auf die Menschheit losgelassen wird. Für mich hat dieses kleine Porno-Geplänkel nur den Wert eines hysterischen Grinsens. Denn die Porno Plattformen unterscheiden sich kein bisschen von anderen Streaminganbietern. Ausser vielleicht durch ihren Inhalt. Manchmal aber nicht mal dadurch.

Fazit: Modernes Raubrittertum versetzt mich immer wieder in erstaunen. Das steht direkt an zweiter Stelle auf meiner Liste von durchgeführter Ignoranz gegen Wehrlose, gleich nach Umweltverschmutzung. Ich finde es unverständlich, dass es für solche Machenschaften überhaupt eine Lobby gibt. Das Menschen kriminalisiert werden und vielleicht sogar Familien in ihrer Existenz gefährdet sind, damit sich einige wenige die Taschen vollstopfen können. Das würde ich gerne in der Öffentlichkeit diskutiert sehen.

Himmel hilf und beschütze und vor den drögen. (und der #GroKo)
°|~Jo

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Über °|~JoCognito

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