Mediakraft. „Owned & Operated“. Der Plan der Olsen Bande.

Mit einem „neuen“ schmissigen Konzept will Spartacus Olsen* bei Mediakraft den verlorenen Boden im Markt der Multichannel Networks wieder gut machen. „Owned & Operated“ lautet diese Devise. Nicht zu verwechseln mit „Search & Destroy“, welches ja bekanntlich zu einem Desaster führte.

Mediakraft Owned and Operated Olsen Bande

Die Olsen Bande hat einen Plan! Foto: Klaus Møller

Einige Paradepferde, inklusive ihrer Jockeys, haben ja den „Dressurstall“ Mediakraft bekanntlich über die letzten Monate verlassen. Von still und heimlich, bis hin zu großem Getöse, war jede Spielart vertreten. Auch wenn man diesen Umstand, bei dem MCN Mediakraft, gerne süffisant herunter gespielt hat, war die verlorene Reichweite der letzten Monate durch diese Abgänge, enorm groß. Die erste Maßnahme zur Beruhigung des Rennbahnpublikums auf YouTube, bestand im köpfen des Mediakraft Mitbegründers Christoph Krachten. Es roch stark nach einem Bauernopfer.

Dieses „Opfer“ hält allerdings knapp 17% der Anteile an Mediakraft. Bei einem geschätzten Marktwert zwischen 58 Millionen und 74 Millionen Euro, sollte der Abschied insgesamt nicht sehr schwer gewesen sein. Merkwürdig wird der Abgang von Christoph Krachten dann, wenn man dem Zitat von Spartacus Olsen folgen mag. Dort heißt es: „Krachten hatte einen bedeutenden Anteil an unserem enormen Wachstum. Mit ihm hat sich Mediakraft Networks als führendes Online-Video-Netzwerk für ein Millionenpublikum etabliert.“

Christoph KrachtenWenn also jemand einen so bedeutenden Anteil an der Firma hat, warum sollte man ihn dann entsorgen? Zum einen sicherlich, weil Krachten lange Zeit die Ikone von Mediakraft war. Mit seiner „Wegbeförderung“ kann man den Versuch verbinden, das nachhaltig negative Image von Mediakraft auf YouTube und den Werbepartnern, zu bereinigen. Laut Krachten klingt der Abgang dann allerdings so: „… unterschiedliche Auffassungen über die strategische Ausrichtung des Multi-Channel-Networks“.

Diese neue strategische Ausrichtung hat jetzt auch ein offizielles Motto. „Owned & Operated“. Darin möchte sich Spartacus Olsen und Mediakraft gerne wieder als Pionier darstellt wissen. Dass er sich dabei den alten Methoden der Musikindustrie bedient, welches somit im Widerspruch zum Pionier Dasein steht, lasse ich mal unkommentiert. Auch, dass Mediakraft immer wieder selbst, durch ihre eigenen Methoden, für Unruhe und Unzufriedenheit in der Szene gesorgt hat, spielt im neuen Konzept der nicht vorhandenen Selbstreflexion absolut keine Rolle.

Werkvertrag„Owned & Operated“ bedeutet, dass Mediakraft mit ihren Kanälen z.B. Werkverträge abschließen will. Dabei werden exklusive Rechte an einzelnen Videos, oder an gesamten Formaten, geltend gemacht. Falls sich der YouTuber dann also entschließen sollte das Netzwerk zu verlassen, um zur Konkurrenz zu gehen, hält das jeweilige MCN immer noch die Rechte an den einzelnen Produktionen. Die Rahmenbedingungen des jeweiligen Werksvertrags, würden dann über den Share und die Verfügbarkeit des Videos bestimmen. In Deutsch; der YouTuber kann nicht mehr selbst entscheiden, ob und wann er sein Video löscht, oder wie viel Geld denn nun wer vom Umsatz über welchen Zeitraum bekommt. Das wird dann alles vertraglich geregelt. Somit wäre dann auch klar, dass die Zeiten der Verträge mit einem Umfang von nur drei bis vier Seiten, endgültig vorbei sind.

Um das „Owned & Operated“ Modell zu befeuern, hat Spartacus Olsen auch schon den nächsten Schlachtruf parat. Er redet vom „Wettrüsten“ bei den Produktionen der YouTuber. Dass dieser Zustand von den Kreativen nicht mehr „allein geschultert“ werden kann. Dort will Mediakraft dann künftig einhaken und sich dieses Engagement mit „Owned & Operated“ Verträgen absichern lassen. Eigentlich die alte YouTube-Leier. Man baut moralischen Druck bei den Kreativen auf indem man suggeriert, dass der Produktionsstandard in der öffentlichen Wahrnehmung steigt und schiebt dann ganz unauffällig hinterher, dass man ja selbst eh nicht in der Lage ist dies mit eigenen Produktionsmitteln zu erreichen. Jedenfalls nicht, wenn man Erfolgreich sein möchte.

Viele Geldscheine in Euro„Owned & Operated“ kann sicherlich sogar sinnvoll sein. Wenn man als Netzwerk viel Arbeit und Mühe in einzelne Kanäle steckt um sie prominent zu positionieren, sind die gängigen Vertragsinhalte der MCNs, um die Unkosten wieder einzuspielen, sehr oft unzureichend. Um so ärgerlicher ist es dann, wenn sich einige Vertragspartner von einem MCN aufbauen lassen und sobald es einigermaßen läuft die Kurve kratzen, um den gesamten Content auf ihrem Kanal vom nächsten MCN vermarkten zu lassen. Denn schließlich treten die Netzwerke ja teilweise auch als Produzenten mit auf. Es werden teilweise Studios gestellt, Formatentwicklung betrieben und Produktionsketten bereit gestellt.

Das gilt aber eben auch nicht für alle Kanäle. Sondern in der Regel für diejenigen, die sowieso schon eine große Anzahl Abonnenten mitbringen, oder ein großes Wachstum innerhalb des Netzwerkes vorzuweisen haben. Für die anderen Kreativen bleibt alles beim alten. Sie werden weiterhin ihre Süppchen mit Wasser kochen und mit den Möglichkeiten, die sie sich leisten wollen und können, ihre Inhalte produzieren. Daran ist auch absolut nichts falsch, sondern ganz viel richtig. Denn das ist ein guter Weg, um gesunde und organische Formate zu entwickeln, um sich später solide auf dem Markt zu guten Konditionen zu positionieren. Aber bis dahin bitte ohne „Owned & Operated“ Vertrag. Dazu ist dann immer noch genug Zeit. Viel wichtiger als so einen Vertrag zu unterschreiben wäre die Frage; welche Vertriebswege und Kontakte bietet mir mein Netzwerk eigentlich? Denn ohne diese Eckpunkte ist „Owned and Operated“ keinen Pfifferling wert.

Die drei Affen von Foto by Saransn

Die drei Affen von Foto by Saransn

Fazit: Damit die Olsen Bande mit ihrem „neuen“ Owned & Operated Plan erfolgreich sein wird, müsste sie konsequenterweise ihr Netzwerk auf ein überschaubares Maß schrumpfen lassen. Das Konzept „Owned & Operated“ beinhaltet einen großen Aufwand an Betreuung und Logistik. Wo dort die Grenze an zu betreuenden Kanälen anzusiedeln ist, liegt sicherlich an der Kapazität der einzelnen Netzwerke. Vier,- oder fünftausend YouTube Kanäle, auf diese Art zu betreiben, halte ich für eine Illusion. Wer sich ganz und gar in die Abhängigkeit eines Produzenten begeben möchte, ist mit so einem Vertrag sicherlich gut bedient – natürlich nur falls die Rahmenbedingungen stimmen. Für alle anderen trifft das wohl eher nicht zu.
Mediakraft mag sich nun ja selbst gerne als Sündenbock der YouTube Szene sehen, doch geben sie tatsächlich auch immer wieder alles dafür, diesen Titel so schnell nicht wieder abzugeben. Vor allen Dingen dann nicht, wenn man sich seine eigenen Fehler nicht eingesteht und die „anderen“ als die wahren Schuldigen an der eigenen Misere darstellt. Die „anderen“ aber halten gerade schön die Klappe und verfolgen genüsslich den Abschwung bei Mediakraft. Denn: Pioniere werden geopfert, doch die Siedler profitieren.

*Name von der Redaktion geändert.

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4 Antworten auf Mediakraft. „Owned & Operated“. Der Plan der Olsen Bande.

  1. So wie wir es am Videoamt schätzen, stellenweise etwas sarkastisch formulierter aber kenntnisreicher Kommentar.

    Total korrekt ist die Einschätzung, dass ein O&O-Modell nicht für alle Youtuber gleichermaßen interessant ist. Das hängt sehr von der persönlichen Lebenssituation, der Bekanntheit und des konkreten Projektes (z.B. wie viel Investition ist nötig?) ab.

    Dass bei einem Vertragsabschluss die Frage ausschlaggebend ist, welche Vertriebswege und Kontakte ein Netzwerk bietet, sollte eigentlich selbstverständlich sein.

    Ein paar Fragen bleiben aber offen. Was ist zum Beispiel damit gemeint: „Auch, dass Mediakraft immer wieder selbst, durch ihre eigenen Methoden, für Unruhe und Unzufriedenheit in der Szene gesorgt hat“? Was sollen das für Methoden sein?

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    • Nun, die Abwanderung der großen Kanäle kommt zum großen Teil durch Unzufriedenheit zustande. Eigentlich logisch, sonst würde die Verträge ja verlängert werden. Ausserdem ist das Image von Mediakraft unter der Hand, auch bei der Industrie, ganz schön mager. Sie haben somit ihren Vorsprung durch die Monopolstellung des MCN, die sie Anfangs inne hatte, nicht genutzt. Auch unter der Hand, gibt es jede Menge Geschichten darüber, wie Creator von Mediakraft behandelt wurden. Letztlich führt das zu einer schlechten öffentlichen Wahrnehmung in der „Szene“ und einem enormen Imageverlust.

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      • „Methoden“ ist etwas anderes als „Unzufriedenheit“.

        Kannst Du eine „Methode“ nennen, die zu einer Abwanderung eines großen Kanals geführt hat?

        Würde mich wirklich interessieren. Mir ist nur bekannt, dass es Unzufriedenheit gab. Dass das Image durch die von einigen prominenten Youtubern geäußerte Unzufriedenheit gelitten hat, keine Frage.

        Unzufriedenheit entsteht schon dadurch, dass ein alter Vertrag noch läuft, obwohl es günstigere Angebote gibt. Kennt jeder vom Mobilfunk.

        Die Abwanderung der großen Kanäle kann schon dann zustande kommen, dass Künstler mit des Hilfe eines Netzwerk gigantisch gewachsen sind, aber am Ende ihres Vertrages zu einem anderen Netzwerk wechseln wollen, weil es da mehr Knete gibt.

        Wie Olsson darlegt, funktioniert das alte MCN Geschäftsmodell nicht nicht richtig. Es bietet für den Künstler einen Anreiz, seinen Vertrag zu beenden, und seinen Content mitzunehmen.

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  2. nixda sagt:

    Wer ein Produkt oder eine Produktion bei einem „Youtuber“ in Auftrag gibt, so dass ihm allein das Endprodukt gehört und er es vermarkten kann, weil er alle Rechte daran hält, der muss auch minimal den Mindestlohn von 8,50€ pro Stunde zahlen und zusätzlich die üblichen Gebühren für international, zeitlich unbegrenzte und von der Auflage unabhängige Vermarktungsrechte.
    Die üblichen prozentualen Beteiligungen am Gewinn für Zeitraum X kommen oben drauf, was die scheinbar kronisch unterbezahlten Youtuber, die in ständiger Angst vor der Rate der AdBlock-User leben müssen, doch eigentlich freuen dürfte.

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